Artikel
9 Kommentare

Der oder das Blog, das ist hier die Frage. Oder: Die Genuszuweisung bei Anglizismen im Online-Marketing

Weibliches Zeichen mit Schleife und männliches Zeichen mit Bart

Homepage, Blog, App, Penalty: Die Anzahl an Anglizismen in der deutschen Sprache nimmt zu, insbesondere im Online-Marketing haben sie Hochkonjunktur. Als Content Manager in einer SEO-Agentur stolpere ich berufsbedingt tagtäglich über Fremdwörter aus dem Englischen. Da stellt sich mir nicht selten frei nach Faust die Frage: Substantiv, wie hälst du’s mit dem Geschlecht? Heißt es nun der oder das Blog? Oder sind in Bezug auf das Genus etwa auch „Zwitter-Substantive“ möglich? Bringen wir ein wenig Licht ins Dunkel, was die grammatische Inkorporation von Anglizismen in die deutsche Sprache angeht.

Eine Möglichkeit scheidet im Englischen – im Gegensatz zum Französischen beispielsweise – bei der Genuszuweisung von vornherein aus: das Ursprungsprinzip. Es besagt, dass ein Nomen den Artikel erhält, den es auch in der Ursprungssprache hat (Beispiel: der Feuilleton – le Feuilleton). Das Englische kennt allerdings nur den bestimmten Artikel „the“, dieser liefert jedoch keinen Hinweis auf das Geschlecht des entsprechenden Wortes. Daher muss die Sprachgemeinschaft dem Substantiv hier erst einen Genus zuordnen.

Im Grunde unterscheidet man – stark vereinfacht – zwei „Regeln“ bei der Genuszuweisung von Fremdwörtern: eine semantische und eine morphologische.

  • Semantische Regel: Das Genus passt sich an die deutsche „Übersetzung“ an.

Beispiele: die Performance (die Leistung), das Meeting (das Treffen), die Story (die Geschichte), die App (die Anwendung), die Homepage (die Startseite), der Cookie (der Keks), das Bookmark (das Lesezeichen), das Keyword (das Schlüsselwort).

•    Morphologische Regel: Wörter mit derselben Endung erhalten denselben Genus.

Beispiele: das Storytelling, das Brainstorming, das Branding, das Ranking, das Spamming.

Eigentlich gar nicht so schwer, oder? Oft schwankt die Zuordnung des Genus bei Fremdwörtern, bis sich ein bestimmter Sprachgebrauch durchgesetzt hat. Sie werden deutschen (Aussprache)-Gewohnheiten sowie in puncto Grammatik angepasst. Manchmal gibt es in diesem Prozess auch keinen klaren Sieger, der (oder das) Blog wäre so ein Beispiel. Laut obiger Regeln müsste es eigentlich das Blog heißen, da Blog ein Kompositum von das Web und das Logbuch ist. Doch der Duden gestattet in diesem Fall auch das maskuline Geschlecht – was meinem Sprachgefühl am ehesten entspricht, selbst wenn ich damit in der Minderheit bin.

Apropos Minderheit: In dieser befinden sich übrigens auch die Süddeutschen und Österreicher, wenn sie ein Mail versenden. Regional kann das Geschlecht in einigen Fällen laut Duden nämlich ebenfalls differieren.

 

Lesen Sie hier mehr von Sprachschach: Sie wissen nicht, wann ein Komma vor und kommt? Nie? Nicht ganz: Komma vor und

 

Bild: © katjashp – Fotolia.com

Martin Stäbe

Veröffentlicht von

Auch wenn während des Studiums Zahlen im Mittelpunkt standen, gilt meine Leidenschaft neben der französischen auch der deutschen Sprache - vor allem in gedruckter Form. Ob als freier Journalist für die Zeitung meiner Heimatstadt Augsburg, als langjähriger Spielberichterstatter für den dortigen Bundesliga-Klub oder als Autor eines französischen Jugendmagazins: In meiner Freizeit drehte und dreht sich viel um das Thema Schreiben. Auch beruflich habe ich als Content Manager mit Texten zu tun, und zwar überwiegend mit Webtexten für Online-Shops. Schach kann ich zwar nicht spielen, dafür spiele ich umso lieber mit Sprache. Sprachschach bietet mir eine wunderbare Möglichkeit, mich in Sachen Rechtschreibung, Grammatik & Co. einmal so richtig auszutoben.Hier geht's zu meinem Xing- und Google+-Profil!

9 Kommentare

  1. Pingback: Frohe Ostern in anderen Sprachen - Sprachschach.de

  2. Pingback: Gendergerechte Sprache: Warum eigentlich nicht? - Sprachschach.de

  3. Pingback: Welche Präpositionen passen? Beispiele & Lösungen

  4. Pingback: Dem Blog seine Eigenschaft: Deutsche Sprache | Sprachschach.

  5. Laut Duden ist das Feuilleton ein Neutrum. Das Beispiel für das Ursprungsprinzip kann hier dann nicht zählen. Oder?

    Antworten

  6. Martin Stäbe

    Hallo Jan,

    Natürlich heißt es „das“ und nicht „der“ Feuilleton. Vielen Dank für den Hinweis! Als Beispiel für das Ursprungsprinzip könnte man z. B. „der“ Boulevard nennen (von frz. le boulevard).

    Antworten

  7. Pingback: 4 Situationen, in denen ich auf sprachliche Korrektheit pfeife

  8. Hi Martin,

    ich habe festgestellt, dass ich mündlich auch immer „Der Blog“ sage. Um Euch weiterzuempfehlen würde ich auch spontan sagen: „Lies doch mal den Blog von sprachschach.de“. Schriftlich verwende ich allerdings die Formulierung „Das Blog“.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.