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Die Kostenlos-Gesellschaft versus Paid Content

Ein 5 Euro Schein und eine 2 Euro und 1 Euro Münze

Gratis, kostenlos, umsonst. Das ist es, wonach im Web 2.0 gesucht wird. Es seien immer weniger bereit, für (gute) Inhalte zu zahlen, heißt es. Blogs würden ja sowieso nur widerkäuen, was zig andere Blogs bereits veröffentlicht hätten, schreibt einer. Wieso dann dafür zahlen? Und vielleicht noch für renommierte Zeitungen, da sehe man es ein, aber doch nicht für Blogs! Das ist doch nur ein Hobby und warum sollte man das dann noch finanziell unterstützen, wenn da einer am PC sitzt und Spaß daran hat. Aber keinen Schreibstil. Sie werden jetzt denken, ich spreche mich für Paid Content aus. Vielleicht.

Bildung ist soziale Ausgrenzung. Konnte früher nur eine bestimmte Gesellschaftsschicht überhaupt Bildung genießen, kann das in Deutschland mittlerweile jeder. Doch auch hier hängt der Schulabschluss davon ab, ob die Eltern bereits einen gewissen Bildungsstandard genießen konnten. Und der ist historisch betrachtet mit Vermögen verbunden. Heutzutage machen den Unterschied zwischen Reich und Arm u.a. die Nachhilfestunden aus, die anscheinend obligatorisch geworden sind. Und ziemlich teuer. Umso schöner, dass das Internet jedem, der über Internetanschluss verfügt, freies Wissen anbietet. Man zahlt nicht per Geld. Sondern dadurch, dass man mit Werbung konfrontiert wird. Oder per Likes & Shares. Eigentlich ein ziemlich gerechtes System, denn jeder Mensch wird gleichwertig; wenn man vernachlässigt, dass im Marketing bzw. für Firmen nicht jeder Mensch „gleich viel wert ist“. Aber immerhin dürfen wir bei freiem Content gleichwertig konsumieren.

Dass man früher für Wissen oder „Content“ (gab es das damals überhaupt schon? ;)) mehr bezahlt hat, halte ich für falsch. Da hat man sich halt dann eine Zeitschrift zu viert gekauft und reihum verliehen. Oder man ist in die Bücherei gegangen. Der Büchereibeitrag kostet sogar weniger als ein Internetanschluss und die monatlichen Gebühren.

Sie denken nun zu Recht, ich sei für ein vollkommen kostenloses Internet. Nein! Ich denke, Internet sollte kostenlos sein. Und ich lebe sehr gerne in einer Kostenlos-Gesellschaft. Aber ich zahle auch gerne für Inhalte, wenn ich weiß, dass sie mir wirklich wichtig sind und mein Leben bereichern. Dann aber freiwillig. Und die Höhe möchte ich bitte selbst bestimmen (können). Und bitte kein Abo, ich vergesse nämlich immer rechtzeitig zu kündigen.

Mein Blog liefert Informationen. Und dafür wäre im Tausch Geld ganz nett. Aber nicht von jedem, sondern von dem, der es mir freiwillig gibt. Denn Sprachschach kostet mich neben Zeit, die ich gerne opfere, auch Geld, das ich weniger gerne opfere. Und wer den Blog mag, der wird vielleicht irgendwann spenden, sollte ich eine Donate-Funktion einbauen, oder über meinen Blog etwas auf Amazon kaufen, sollte ich mich dem Partnerprogramm verschreiben. Und wer das nicht tut, ist trotzdem ein gern gesehener Gast. Denn viel wichtiger als Geld ist mir der Leser. Und am liebsten der, der bis zum Ende liest. So wie Sie!

Und vielleicht lasse ich es auch einfach. Ist ja doch nur ein Hobby.

Dieser Artikel ist ein Beitrag zur Blogparade: Würdest du für Webinhalte Geld bezahlen?

Mich würde Ihre Meinung interessieren. Könnte Sprachschach eine Donate-Funktion oder das Amazon-Partnerprogramm integrieren? Oder würde das den Blog kaputt machen, der bisher komplett auf Non-Profit-Basis läuft?

 

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Bezeichnend: Das Bild oben ist auch gratis und zwar von picjumbo.com.

Katharina Tuermer

Veröffentlicht von

Aufgewachsen in einer bayerischen Kleinstadt, in der (leider) wenig Bairisch gesprochen wird, nahe der Weißwursthauptstadt München entdeckte ich während meines Lehramtsstudiums die Linguistik für mich. Das Lehramtsstudium gibt es jetzt nicht mehr, die Linguistik ist geblieben. Im Sommer 2013 habe ich meinen Magister in der Linguistik, in DaF und der Lateinischen Philologie abgeschlossen und arbeite seither in der Onlinebranche. Der Blog und damit auch die Linguistik sollen bleiben. Weitere Infos über mich findet man auf Google+ und Twitter.

5 Kommentare

  1. Hi Katharina,
    danke für deinen tollen Beitrag! Was hältst du von der Idee, zu jedem Blogartikel ein paar Informationen zum Arbeitsaufwand hinzuzufügen, damit Leser nachvollziehen können, wie aufwändiger er wirklich war?

    PS: Bitte hör nicht auf zu bloggen 😉

    Antworten

    • Martin Stäbe

      Hallo Robert,

      sehr gute Idee! Hier mal ein Vorschlag, wie so etwas in der Theorie aussehen könnte (in der Praxis ist es dann wohl etwas zu aufwändig ;):

      – Brainstorming Thema: x Minuten
      – Recherche Informationen (Internet):
      – Recherche Informationen (Bibliothek):
      – Kosten Informationsbeschaffung (Fahrt zur Bücherei, Abos etc.)
      – Bilder zur Illustrierung aussuchen:
      – Kosten Bilderdatenbank:
      – Fachaustausch mit Kollegen:
      – Artikel schreiben:
      – Artikel Korrektur lesen (lassen):
      – Finetuning Artikel (SEO, Fettungen, Verlinkungen etc.)
      – Veröffentlichung und Verbreitung Artikel:

      Habe ich noch was vergessen? 🙂

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  2. Hi Martin,
    ich meine sogar, das mal bei einem meiner Artikel gemacht zu haben, find ihn aber nicht auf Anhieb. Das sah in etwa so aus: „Dieser Artikel besteht aus 1.231 Wörtern und hat mich von Anfang bis Ende 8,33 Stunden gekostet.“

    Das könnten wir jetzt in diesem Sinne erweitern durch: „Wie viel ist er dir wert?“ oder „Sind dir 10Cent dafür zu viel?“

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