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Vom Pferd erzählen: Herkunft & Bedeutung

Vom Pferd erzählen

Rechtsanwalt Feigen fährt Hoeneß während des Gerichtsprozesses über den Mund: „Herr Hoeneß, erzählen Sie keinen vom Pferd!“, und will ihn damit animieren, bei der Wahrheit zu bleiben. Schon prangt die Redewendung Vom Pferd erzählen als Aufmacher auf allen Titeln zum ersten Prozesstag im Steuerskandal. Doch woher kommt Vom Pferd erzählen bzw. Eine Geschichte vom Pferd erzählen eigentlich und was bedeutet die Redewendung?

Der Grieche Sinon erzählte zum ersten Mal vom Pferd

Die Phrase geht auf den antiken Mythos des Trojanischen Pferdes zurück: Zehn lange Jahre versuchten die Griechen die Stadt Troja einzunehmen, nachdem der trojanische Prinz Paris die Griechin Helena, berühmt für ihre Schönheit, raubte. Doch all die Belagerung zahlte sich nicht aus – bis die Griechen einen entsetzlichen Plan ausheckten: Eines Morgens waren plötzlich alle griechischen Schiffe abgerückt, die Trojaner feierten die lang ersehnte Friedenszeit. Am Strand fanden Sie ein riesiges Holzpferd auf Rädern vor in Begleitung eines verwundeten Griechen, der ausgab, er sei von den Seinen zurückgelassen worden und das Pferd eine Opfergabe an die griechische Göttin Athene. Der Grieche hieß Sinon und ermahnte die Trojaner, sollten sie das Pferd verbrennen, so würde das ein schreckliches Unheil über sie bringen, im Schutze ihrer Festungsmauern sei das Pferd jedoch in Sicherheit. Die Trojaner konnten ihr Glück kaum glauben und schoben das Pferd durch ihre Stadtmauern ins Innere. Kaum war die Nacht eingebrochen, kroch der berüchtigte Odysseus mit seinen Kriegern aus dem Pferd und mit Unterstützung der übrigen Griechen, die sie durch die Stadttore hereinbrachten, eroberten sie die Stadt Troja innerhalb einer Nacht. Die Trojaner waren nicht vorbereitet und hatten seelenruhig geschlafen.

Wenn nun einer etwas vom Pferd erzählt, so ist er nicht besser als Sinon, der zurückgelassene Grieche, und tischt einem ordentlich eine Lügengeschichte auf. Oder er spricht vom trojanischen Pferd. Aber das ist wohl eher die Ausnahme.

Die bösen Trojaner

Der Mythos hat übrigens auch hier seine Finger im Spiel: Ein Trojaner ist ein Computerprogramm, das so tut, als sei es nützlich und gut, in Wahrheit soll dieses Programm einen ganz anderen Zweck erfüllen, und zwar keinen guten. Warum aber wird diese Malware Trojaner genannt, waren doch gerade die die Betrogenen? Das Missverständnis entstand durch die Verkürzung des Ausdrucks Trojanisches Pferd, wie diese Art Malware zuerst genannt wurde. Und so wird es nun dem ein oder anderen ergehen, dass er die Trojaner als listige Angreifer einordnet.

 

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Bild: Gratisography.com

Katharina Tuermer

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Aufgewachsen in einer bayerischen Kleinstadt, in der (leider) wenig Bairisch gesprochen wird, nahe der Weißwursthauptstadt München entdeckte ich während meines Lehramtsstudiums die Linguistik für mich. Das Lehramtsstudium gibt es jetzt nicht mehr, die Linguistik ist geblieben. Im Sommer 2013 habe ich meinen Magister in der Linguistik, in DaF und der Lateinischen Philologie abgeschlossen und arbeite seither in der Onlinebranche. Der Blog und damit auch die Linguistik sollen bleiben. Weitere Infos über mich findet man auf Google+ und Twitter.

3 Kommentare

  1. Pingback: Warum schaut man einem geschenkten Gaul nicht ins Maul?

  2. Ich dachte bisher diese Redewendung spielt auf die nicht immer ganz wahren Aussagen zu den zu verkaufenden Pferden durch Pferdeverkäufer an.

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